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ESG-Investitionen unter Druck, aber längst nicht vor dem Aus

Die drei Buchstaben – ESG – haben in den letzten Jahren gleichermaßen für Inspiration, Verwirrung und Empörung gesorgt. Das Akronym wurde vor rund zwanzig Jahren im Rahmen einer UN-Initiative zur Förderung nachhaltiger Finanzpraktiken eingeführt und gewann während der Klimabewegung, #MeToo und der Diskriminierungsdebatten an Bedeutung. Ausgerechnet unter der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump war ESG am Höhepunkt, trotz des Ausstiegs der USA aus dem Pariser Klimaabkommen und Co. Doch in den letzten Jahren ist Nachhaltigkeit verstärkt in die Kritik geraten, insbesondere in den USA, wo sich die politische Gegenreaktion verschärft hat. Befürworter betrachteten ESG als Beweis dafür, dass Rentabilität nicht auf Kosten sauberer Luft, fairer Arbeitsbedingungen oder guter Unternehmensführung gehen muss.

 

Von Greenwashing zu Greenhushing: „made in USA“

Mit über 130 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen in ESG-Fonds in den letzten zehn Jahren verfiel der Enthusiasmus zuletzt. Regulierungsbehörden in den USA und Europa griffen durch, nachdem Unternehmen und Fondsmanager beschuldigt wurden, ihre ESG-Aktivitäten übertrieben dargestellt zu haben – sogenanntes Greenwashing. Die politische Polarisierung führte zu einem neuen Phänomen: Greenhushing. Finanzinstitute äußern sich inzwischen seltener öffentlich zu ESG-Themen. Banken zogen sich aus internationalen Klimaallianzen zurück, um juristischen Auseinandersetzungen zu entgehen, versuchen aber gleichzeitig, klimabewusste Kunden nicht zu verlieren. Allein in den letzten zwei Jahren zogen Anleger rund 33 Milliarden US-Dollar aus ESG-Fonds in den USA ab, während 740 Milliarden US-Dollar in Non-ESG Investmentfonds flossen, so Daten von Morningstar. Einige Beobachter führen diese Entwicklung auf schwache Renditen und makroökonomische Faktoren wie hohe Zinssätze zurück. Doch ein wesentlicher Faktor ist die politische Ablehnung von ESG, insbesondere durch republikanische Politiker, die ESG als Bedrohung für den amerikanischen Kapitalismus und als Vehikel einer „woken“ Agenda sehen. Mit Trumps zweiter Amtszeit wurden nun Klimapolitiken zurückgenommen, Subventionen gestrichen und Programme zu Diversität, Gleichstellung und Inklusion (DEI) aktiv bekämpft. US-Energieminister Chris Wright bezeichnete Net-Zero-Ziele bis 2050 sogar als „satanisch“ und „verheerend“. In mindestens 18 US-Bundesstaaten unter republikanischer Führung wurde eine Anti-ESG-Gesetzgebung eingeführt und rechtliche Schritte gegen ESG-affine Vermögensverwalter eingeleitet. Es wurde sogar per Gesetz versucht, die Berücksichtigung von ESG-Kriterien im Investmentprozess zu kriminalisieren (Anm: New Hampshire). Diese Gegenmaßnahmen zeigen Wirkung. 2024 sank die Zahl der ESG-Fonds in den USA zum ersten Mal. Auch Europa, als Vorreiter in Sachen ESG, wächst die Kritik weniger aus ideologischen Gründen, sondern aus Ermüdung angesichts zunehmender Berichtspflichten. Erst im Februar 2025 gab die EU-Kommission dem Druck von Branchenverbänden nach, die Berichtspflichten drastisch zu reduzieren – rund 80 % der ursprünglich betroffenen Unternehmen sollen davon nun ausgenommen werden.

 

Fazit: langfristige ESG-Strategien bleiben intakt, trotz Herausforderungen

Neben politischen Faktoren belasten auch ökonomische Rahmenbedingungen die ESG-Strategie. Die hohen Zinssätze treffen kapitalintensive Branchen wie erneuerbare Energien besonders stark. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 stiegen die Preise für Öl & Gas stark an, die Rüstungsindustrie erlebt eine Renaissance, Bestandteile, welche in ESG-Portfolios eher selten zu finden sind. Analysten warnen jedoch davor, kurzfristige Schwankungen überzubewerten, denn auch ESG-Investitionen sind nicht von Höhen und Tiefen gefeit. Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt die langfristige Strategie von ESG-Investitionen bestehen. Eine McKinsey-Analyse (2023) ergab, dass Unternehmen, deren Führung auf kurzfristiges Wachstum ohne Rücksicht auf ESG-Aspekte setzt, seltener ihr langfristiges Potenzial ausschöpfen. Besonders junge Anleger befürworten diesen Ansatz. Einer Umfrage von Morgan Stanley zufolge interessieren sich 84 % der US-Anleger für nachhaltiges Investieren, 65 % gaben an, ihr Interesse habe in den vergangenen zwei Jahren sogar zugenommen. Während ESG-Aktien noch Luft nach oben haben, konnten nachhaltige Anleihen 2024 die Höchstmarke 1 Billion US-Dollar an Emissionsvolumen knacken, das zweithöchste Niveau seit 2007. Bei „ESG“ im traditionellen Sinne, geht es nicht um den Verzicht von Rendite zugunsten einer Agenda, sondern das langfristige Risiko eines Portfolios zu senken, indem man erweiterte Risikoparameter hinzuzieht.  Die Grundidee – Investitionen resilienter, nachhaltiger und zukunftsfähiger zu machen – bleibt intakt.

Die Impact Asset Management GmbH (I-AM)

Die Impact Asset Management GmbH (I-AM) zählt zu den führenden nachhaltigen Asset Management Gesellschaften im deutschsprachigen Raum, die auf die Auswahl, die Analyse und das Management von ESG- und Impact-Strategien spezialisiert ist. Unsere Anlagepolitik verfolgt das Ziel, zum Erreichen der UN Sustainable Development Goals beizutragen und als „Triple-Bottom-Line“ Asset Manager soziale, ökologische und finanzielle Erträge zu generieren. Ziel unserer Produkte ist ein nachhaltiger Vermögenszuwachs bei größtmöglicher Risikostreuung und Sicherheit. In den nächsten Jahren soll die Kundenbasis in enger Zusammenarbeit mit Banken, Plattformen und Vertriebspartnern vergrößert und in neue Märkte expandiert werden.