FNG-Methodik

FNG-METHODIK

Jedes Jahr befragen wir Asset Manager, Asset Owner und Banken nach ihren nachhaltigen und verantwortlichen Assets, Anlagestrategien und Produkten. Hier finden Sie sowohl Informationen zu unserer Methodik und den Berichtsteilnehmern als auch ein Glossar mit Definitionen der wichtigsten Fachbegriffe aus der nachhaltigen Investmentbranche.

UNTERSCHEIDUNG ZWISCHEN NACHHALTIGEN GELDANLAGEN UND VERANTWORTLICHEN INVESTMENTS

Bei der Erhebung des Marktberichts unterscheidet das FNG zwischen Nachhaltigen Geldanlagen und verantwortlichen Investments.

Nachhaltige Geldanlagen

Damit Fonds und Mandate in unserer Erfassung als nachhaltig zählen, müssen die nachhaltigen Anlagekriterien verbindlich in den Produktdokumenten festgelegt sein. Aufgrund der damit einhergehenden Produkthaftung ist die Anwendung der entsprechenden Nachhaltigkeitskriterien und -strategien gesichert. Damit handelt es sich bei Nachhaltigen Geldanlagen um explizit nachhaltige Produkte.

Nachhaltige Geldanlagen = Nachhaltige Fonds & Mandate + Kundeneinlagen von Spezialbanken und nachhaltig verwaltete Eigenanlagen

Verantwortliche Investments

Nachhaltigkeitskriterien werden bei den verantwortlichen Investments auf der institutionellen Ebene verankert, sodass die herangezogenen Kriterien auf alle Assets angewendet werden. Die Unterscheidung zwischen Nachhaltigen Geldanlagen und verantwortlichen Investments wurde mit dem FNG-Marktbericht 2018 eingeführt, da immer mehr Unternehmen sich auf institutioneller Ebene an bestimmten Normen, Standards oder Prinzipien orientieren und diese auf alle Geschäftsfelder anwenden. Hierbei handelt es sich in der Regel um Selbstverpflichtungen, deren Nichteinhaltung allerdings keine rechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen. Dies muss jedoch nicht bedeuten, dass verantwortliche Investments zwangsläufig weniger nachhaltig sind, als Nachhaltige Geldanlagen. Die alleinige Anwendung einiger weniger Ausschlüsse zählt im Rahmen der Erhebung zum FNG-Marktbericht nicht zu den verantwortlichen Investments.

Da institutionell festgelegte Nachhaltigkeitskriterien auch für Nachhaltige Geldanlagen gelten, sind diese als Teilsumme verantwortlicher Investments zu sehen.

ERSTMALIGE QUALITATIVE ERFASSUNG VON ESG-INTEGRATION IM VORLIEGENDEN BERICHT.

Das FNG beobachtet im Markt den starken Trend zu mehr ESG-Integration. Dieser findet aus Gründen des Risikomanagements zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen zunehmend Eingang in die traditionelle Finanzanalyse. Aus diesem Grund hat das FNG in diesem Jahr erstmals die Erhebung um qualitative Fragen ergänzt. Dieser Fragenkomplex umfasst die fünf Handlungsfelder Policies, Prozesse, Reporting, Coverage und Wirkung.

Diese Entwicklung deutet auf ein Umdenken in der Branche und den Versuch, Nachhaltigkeitsaspekte systemisch im Unternehmen zu integrieren und auf konventionelle Produkte anzuwenden.

Marktbericht

SPEZIALBANKEN MIT NACHHALTIGKEITSFOKUS

Banken, die Nachhaltigkeitsaspekte vollständig im Kerngeschäft integrieren, fließen in die Summe der Nachhaltigen Geldanlagen ein. Hierbei werden Kundeneinlagen, also jegliches Bankguthaben, und Sparbriefe gezählt, die im Einlagengeschäft und bei der Kreditvergabe zum Einsatz kommen. Die Daten zu den Volumina der Nachhaltigkeitsbanken werden seit 2011 erhoben.

NACHHALTIGE ANLAGESTRATEGIE

Wie in den Vorjahren sind die folgenden acht Anlagestrategien erhoben worden:
Ausschlusskriterien Dieser Ansatz schließt systematisch bestimmte Investments oder Investmentklassen wie Unternehmen, Branchen oder Länder vom Investment-Universum aus, wenn diese gegen spezifische Kriterien verstoßen.
Best-in-Class Anlagestrategie, nach der – basierend auf ESG-Kriterien – die besten Unternehmen innerhalb einer Branche, Kategorie oder Klasse ausgewählt werden.
Engagement Langfristig angelegter Dialog mit Unternehmen, um deren Verhalten bezüglich ESG-Kriterien zu verbessern.
Impact Investment Investitionen in Unternehmen, Organisationen oder Fonds mit dem Ziel neben finanziellen Erträgen auch Einfluss auf soziale und ökologische Faktoren zu nehmen.
Integration Explizite Einbeziehung von ESG-Kriterien bzw. -Risiken in die traditionelle Finanzanalyse.
Nachhaltige Themenfonds Investitionen in Themen oder Assets, die mit der Förderung von Nachhaltigkeit zusammenhängen und einen ESG-Bezug haben.
Normbasiertes Screening Überprüfung von Investments nach ihrer Konformität mit bestimmten internationalen Standards und Normen, z. B. dem UN Global Compact, den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen oder den ILO-Kernarbeitsnormen.
Stimmrechtsausübung Die Ausübung von Aktionärsrechten auf Hauptversammlungen, um die Unternehmenspolitik bezüglich ESG-Kriterien zu beeinflussen.

ERHOBENE ASSET-KLASSEN

Wie in den Jahren zuvor wurden für den vorliegenden Marktbericht folgende Asset-Klassen abgefragt:

  • Aktien
  • Geldmarkt/Bankeinlagen
  • Hedgefonds
  • Immobilien/Grundbesitz
  • Kommunale/lokale Anleihen
  • Rohstoffe
  • Staatsanleihen
  • Supranationale Anleihen
  • Unternehmensanleihen
  • Venture Capital/Direktbeteiligungen

Glossar

GLOSSAR

AIFs Alternative Investmentfonds (AIFs) umfassen verschiedene Formen von geschlossenen Fonds. Bei den Anlageobjekten handelt es sich um Sachwerte, wie z.B. Immobilien, Wälder oder auch Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien.
Asset-Overlay Produktunabhängige Anwendung von nachhaltigen Anlagestrategien auf die gesamten, oder Teile der Assets eines Asset Managers oder Asset Owners. Asset-Overlays werden für die Strategien Ausschluss, Engagement, Integration und Stimmrechtausübung erfasst.
Ausschlusskriterien Dieser Ansatz schließt systematisch bestimmte Investments oder Investmentklassen wie Unternehmen, Branchen oder Länder vom Investment-Universum aus, wenn diese gegen spezifische Kriterien verstoßen.
Best-in-Class Anlagestrategie, nach der – basierend auf ESG-Kriterien – die besten Unternehmen innerhalb einer Branche, Kategorie oder Klasse ausgewählt oder gewichtet werden, also diejenigen, die im Branchenvergleich in ökologischer, sozialer und ethischer Hinsicht die höchsten Standards setzen.
Divestment Die globale Divestment-Bewegung zum Klima setzt sich dafür ein, Kapital aus treibhausgas-intensiven Unternehmen abzuziehen.
Engagement Ein langfristiger Dialog von Investoren und Unternehmen mit dem Ziel, die Unternehmensführung für die Berücksichtigung von sozialen, ethischen, und ökologischen Kriterien zu gewinnen. Dies beinhaltet auch Stimmrechtsausübungen auf Hauptversammlungen, Aktionärsanträge und Fragen auf Hauptversammlungen, gemeinsame Initiativen, direkter Kontakt zu Unternehmen und Entscheidungsträgern, Gespräche mit anderen Organisationen und Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik.
ESG Englisch für Environmental, Social and Governance; steht für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung bzw. Governance.
ESG-Integration Explizite Einbeziehung von ESG-Kriterien bzw. -Risiken in die traditionelle Finanzanalyse. Dahinter steckt die Überlegung, dass verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte eine finanzielle Relevanz („Materialität“) aufweisen, die sich unmittelbar auf den Unternehmenserfolg auswirken. Die ESG-Integration vereint somit Positiv- und Negativkriterien und kann einzelne, ausgewählte Kriterien oder weitere Kriterienkataloge umfassen.
EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums Der am 08.März.2019 von der EU-Kommission veröffentlichte Aktionsplan ist Teil umfassenderer Bemühungen, Finanzfragen und die spezifischen Erfordernisse der europäischen und der globalen Wirtschaft zum Nutzen des Planeten und der Gesellschaft miteinander zu verknüpfen. Er zielt darauf ab 1. Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen umzulenken, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen; 2.finanzielle Risiken, die sich aus dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit, der Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben, zu bewältigen; 3.Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz-und Wirtschaftstätigkeit zu fördern.
Green Bonds Bei Green Bonds handelt es sich um grüne Anleihen. Mit dieser können Förderbanken, Geschäftsbanken, Staaten und Unternehmen Kapital für klima- und umweltschützende Projekte beschaffen.
European Green Deal Der European Green Deal ist ein von der Europäischen Kommission im Dezember 2019 vorgestellter Fahrplan für den Übergang zu einer kreislauforientierten Wirtschaft und Bekämpfung der Umweltverschmutzung. Er enthält u.a. die Erarbeitung eines europäischen Klimagesetzes zur Verwirklichung einer CO2-neutralen Europäischen Union bis 2050.
High Level Expert Group (HLEG) Im Dezember 2016 beauftragte die Europäische Kommission eine Expertengruppe (englisch: High Level Expert Group) damit, Vorschläge zur Integration von Nachhaltigkeit in die europäischen Finanzmärkte zu unterbreiten. Die Gruppe, bestehend aus 20 Experten aus dem Finanzwesen, der Wissenschaft und Zivilgesellschaft legten im Januar 2018 ihren Schlussbericht vor.
IDD Die Insurance Distribution Directive (Versicherungsvertriebsrichtlinie) ist eine EU-Richtlinie, welche in erster Linie den Verbraucherschutz verbessern soll. Sie betrifft nicht nur Versicherungsvermittler, sondern sämtliche Versicherungsvertriebsformen. Die daraus erfolgte Versicherungsvermittlungsverordnung ist seit Dezember 2018 in Kraft.
ILO -Kernarbeitsnormen Die acht Kernarbeitsnormen der Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definieren soziale Mindeststandards für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und umfassen die folgenden Bereiche: Abschaffung von Zwangsarbeit, Schutz der Vereinigungsfreiheit, Vereinigungsrecht und Recht zu Kollektivverhandlungen, Gleichheit des Entgelts, Abschaffung der Zwangsarbeit, Schutz vor Diskriminierung, Mindestalter und Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit.
Impact Investment Investitionen in Unternehmen, Organisationen oder Fonds mit dem Ziel neben finanziellen Erträgen auch Einfluss auf soziale und ökologische Faktoren zu nehmen. Impact Investment beinhaltet Mikrofinanz, Community Investing, Social Business/Entrepreneurship Fonds oder auch französische fonds solidaires.
KPI Key Performance Indicators (KPIs) bezeichnen Leistungskennzahlen, die zur Messung der Effektivität von Unternehmen hinsichtlich ihrer Unternehmensziele genutzt werden.
Kundeneinlagen Kundeneinlagen umfassen alle verzinslichen und unverzinslichen Forderungen von Kunden, Unternehmen und Organisationen gegenüber Kreditinstituten.
Mandate Maßgeschneiderte Investmentfonds speziell für institutionelle Investoren oder High-Net-Worth Individuals (HNWIs). Diese werden oft auch als Spezialfonds genannt und zeichnen sich durch einen oder wenige Investoren aus.
MiFID II Die Markets in Financial Instruments Directive II ist eine EU-Richtlinie, welche zum einen den Wertpapierhandel europaweit regelt und harmonisiert und zum anderen einen hohen Anlagerschutz gewährleistet. In Folge der Umsetzung des EU-Aktionsplans Finanzierung nachhaltigen Wachstums wird eine verpflichtende Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen in die Anlageberatung integriert.
Mikrofinanz Mikrofinanz bezeichnet die Bereitstellung von diversen Finanzdienstleistungen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Solche Dienstleistungen können Kleinstkredite, Versicherungen oder Spareinlagen sein und dienen vorrangig der Armutsbekämpfung.
Nachhaltige Geldanlagen Nachhaltige Geldanlagen ist die allgemeine Bezeichnung für nachhaltige Produkte und Anlagevehikel, die ökologische, soziale und Governance-bezogene Aspekte (ESG-Kriterien) explizit in ihren Anlagebedingungen berücksichtigen. Es beinhaltet eine explizite schriftlich formulierte Anlagepolitik zur Nutzung von ESG-Kriterien. Bei den Nachhaltigen Geldanlagen sind die ESG-Kriterien in den Produktdokumenten festgelegt.
Nachhaltige Themenfonds Investitionen in Themen oder Assets, die mit der Förderung von Nachhaltigkeit zusammenhängen und einen ESG-Bezug haben.
Normbasiertes Screening Überprüfung von Investments nach ihrer Konformität mit bestimmten internationalen Standards und Normen, z. B. dem UN Global Compact, den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen oder den ILO-Kernarbeitsnormen.
OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen Die 1976 erstmals verabschiedeten OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen enthalten eine Reihe von Empfehlungen für unternehmerisches Handeln. Das Rahmenwerk gilt als weltweit anerkannter Verhaltenskodex u.a. in den Bereichen Menschenrechte, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung und Verbraucherinteressen. Nationale Kontaktstellen werden eingerichtet, um die Leitsätze bekannt zu machen, über deren Inhalte zu informieren und ihre Einhaltung zu fördern.
Principles for Responsible Investments (PRI) Die PRI, sind eine 2006 gegründete Investoreninitiative in Partnerschaft mit der Finanzinitiative des UN-Umweltprogramms UNEP und dem UN Global Compact. Die dem Investorennetzwerk angehörigen Unternehmen verpflichten sich freiwillig und unverbindlich zu sechs Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren.
SDG Bonds SDG-Bonds sind Anleihen zur Finanzierung sozialer oder grüner Vorhaben, welche zu einem oder mehreren der UN Nachhaltigkeitsziele beitragen.
Social Bonds Social Bonds bezeichnen Anleihen, die zur Kapitalisierung sozialer Projekte genutzt werden.
Stimmrechtsausübung als Teil von Engagement Die Ausübung von Aktionärsrechten auf Hauptversammlungen, um die Unternehmenspolitik bezüglich ESG-Kriterien zu beeinflussen.
Sustainable Development Goals (SDG; Ziele für nachhaltige Entwicklung)

 

Die Sustainable Development Goals sind 17 politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen, die auf Grundlage der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Umwelt, Soziales und Wirtschaft – eine weltweite nachhaltige Entwicklung vorantreiben sollen. Sie traten als Nachfolger der Millenniums-Entwicklungsziele am 01. Januar 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren in Kraft und gelten für Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer. Menschenrechte sind ein Querschnittsthema der Sustainable Development Goals, sodass jedes SDG mit einer Vielzahl von Menschenrechten verknüpft ist.
Task Force on Climate related Financial Disclosures (TCFD) Die 2015 gegründete TCFD setzt sich für mehr Transparenz bei der Offenlegung von klimabedingten Finanzrisiken ein. Diesbezügliche Daten sollen von Unternehmen für Investoren, Geldgeber, Versicherer und andere Stakeholder zur Verfügung gestellt werden.
Taxonomie Die Taxonomie ist einer von zehn Maßnahmenpunkten im Rahmen des EU-Aktionsplanes Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Mit der Taxonomie soll ein Nachhaltigkeitsklassifizierungssystem geschaffen werden, anhand dessen harmonisierter Kriterien, festzustellen ist, ob eine Wirtschaftstätigkeit klimaverträglich ist.
UN Global Compact Der 1999 ins Leben gerufene UN Global Compact ist eine Vereinbarung zwischen Unternehmen und der UNO, mit der sich Unternehmen 10 Prinzipien verpflichten, die zu einer sozialeren und ökologischer gestalteten Globalisierung beitragen sollen.
Verantwortliche Investments (VI) Verantwortliche Investoren und Asset Manager gestalten ihre Investmentprozesse unter angemessener Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und Governance-bezogenen Aspekten (ESG-Kriterien) und wenden entsprechende Anlagestrategien an. Sie richten sich dabei nach öffentlichen Standards und Prinzipien, halten ihre Strategie zum Verantwortlichen Investieren schriftlich fest und informieren über ihre Aktivitäten, Anlagestrategien und ESG-Grundsätze. Bei den verantwortlichen Investments sind die ESG-Kriterien auf institutioneller Ebene festgelegt.

FNG Q&A

Q&A

Zählen Immobilienfonds zu den Nachhaltigen Geldanlagen oder zum verantwortlichen Investment?

Ausschlaggebend für die Einordnung ist, ob die Nachhaltigkeitskriterien auf institutioneller Ebene verankert oder in den Fondsdokumenten festgehalten sind. Bei Immobilienfonds werden Nachhaltigkeitsstrategien und -kriterien in der Regel nicht in den Fondsdokumenten formalisiert, sondern auf institutioneller Ebene festgelegt. Daher zählen die von uns erfassten Immobilienfonds zu den verantwortlichen Investments.

Wie setzen sich die Wachstumsraten zusammen?

Unsere Erhebungen sind als eine Bestandsaufnahme zu interpretieren: Wir erfragen jedes Jahr das Gesamtvolumen der nachhaltig verwalteten Vermögen, den fondsspezifisch oder auch übergreifend angewandten Strategien und Assetklassen.

Ein Anstieg der Volumina setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen:

  • Wenn sich die Fonds, über die bereits im Vorjahr berichtet wurden, gut entwickeln oder mehr Anleger in diese Fonds investieren.
  • Wenn zuvor konventionell verwaltete Fonds nun Nachhaltigkeitskriterien anwenden und der Definition Nachhaltiger Geldanlagen entsprechen.
  • Wenn neue nachhaltige Fonds aufgelegt werden.
  • Oder neue Berichtsteilnehmer gewonnen werden können, die neu auf dem Markt sind oder bisher nicht über Ihre nachhaltigen Anlagen berichtet haben. In diesem Fall erfragen wir auch die Zuflüsse aus den vergangenen Jahren, sodass wir adäquate Wachstumsrate angeben können.

Was versteht das FNG unter nachhaltigen Mandaten?

Nachhaltige Mandate sind Fonds, die auf Anlegerwunsch speziell aufgelegt werden und dem Publikum nicht direkt zugänglich sind. Diese können sie als „maßgeschneiderte“ Produkte verstehen, die vor allem von institutionellen Investoren oder auch privaten Investoren mit hohen Vermögenswerten gefragt sind.

Wie erbringen Unternehmen oder Fonds oder andere Anlagemöglichkeiten die Nachweise dafür, dass sie Nachhaltigkeitskriterien erfüllen?

In unserer Marktberichtserhebung befragen wir Asset Owner und Asset Manager, welche Nachhaltigkeitsstrategien und -aspekte zur Anwendung kommen und ob diese Kriterien in den Fondsdokumenten formalisiert sind. Da diese Formalisierung eine gewisse Haftungspflicht mit sich trägt, können wir davon ausgehen, dass die angegebenen Strategien umgesetzt werden. Ist die Anlagestrategie nicht in den Fondsdokumenten verschriftlicht, schauen wir, ob es Bekenntnisse zu Standards und Prinzipien gibt, denen sich das Fondshaus verpflichtet. Siegel und Zertifizierungen sorgen für eine zusätzliche Transparenz und Verifizierungen, daher haben wir auch hier ein genaues Auge drauf.

Aus welchen Gründen wurde die Methodik 2018 umgestellt und ist die grundlegende Neuerung?

Die Methodik wurde überarbeitet, um den aktuellen Entwicklungen und Veränderungen unter Aspekten

… eine stärkere Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung des Marktes,
… Qualitätsunterschiede im Markt,
… neue Anforderungen durch die Neujustierung treuhänderischer Pflichten,
… aktueller regulatorischer Entwicklungen auf den Finanzmärkten besser Rechnung tragen zu können.

 

Ein maßgeblicher Trend der letzten Jahre war, dass nachhaltige Anlagestrategien vermehrt auf das gesamte bzw. Teile des Vermögens angewendet werden und nicht nur bei explizit nachhaltigen Produkten. Schon vor einigen Jahren begann das FNG dafür die Grundlagen zu schaffen, mit der Erhebung der Asset Overlays (produktunabhängige Anwendung von nachhaltigen Anlagestrategien auf die gesamten oder Teile der Assets).

Wie definiert sich eine nachhaltige Spezialbank?

Nachhaltige Spezialbanken legen ihre gesamten Kundeneinlagen unter Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und ethischen Gesichtspunkten an. Hierbei können je nach Bank Nachhaltigkeitsschwerpunkte unterschiedlich gesetzt werden. Zum einen haben sich Banken etabliert, die einen besonderen Schwerpunkt auf ökologisch-nachhaltige oder soziale Projekte legen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von kirchlichen Häusern, die neben den ökologischen Kriterien zur Wahrung der Schöpfung, ethischen Aspekten eine spezielle Rolle beimessen und einen entsprechenden kirchlichen Kundenkreis bedienen.

Wie sind die unterschiedlichen Wachstumsraten zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erklären?

Für Deutschland und Österreich erhebt das FNG nach eigener Methodik die Daten. Für die Schweiz bezieht das FNG seit 2019 die Daten des Swiss Sustainable Finance für den Marktbericht. Deren Methodik unterscheidet nicht zwischen Nachhaltigen Geldanlagen und verantwortlichen Investments, weshalb ein direkter Vergleich der Zahlen Deutschland, Österreich mit der Schweiz wenig aussagekräftig ist.

Entwickeln sich Nachhaltige Geldanlagen von der Nische in den Mainstream?

Ein Blick auf die diesjährigen Zahlen offenbart, dass der Anteil der Fonds und Mandate am Gesamtfondsmarkt bei rund 5,4 Prozent liegt. Auch wenn der Marktanteil gemessen am Gesamtmarkt noch gering ist, bieten die Wachstumsraten der Fonds und Mandate einen Hinweis darauf, dass Nachhaltige Geldanlagen weiterhin stark gefragt sind. So legten nachhaltige Fonds und Mandate um rund 37 Prozent zu. Der Gesamtmarkt wuchs lediglich um 15 Prozent. Im Vergleich zu Deutschland beträgt der Anteil nachhaltiger Fonds und Mandate am österreichischen Gesamtmarkt bereits 15,9 Prozent. Auch hier ist eine klare Tendenz erkennbar, denn der nachhaltige Fondsmarkt legte zudem um 39 Prozent zu – ähnlich wie in Deutschland, der Gesamtfondsmarkt lediglich um 5 Prozent. Daher ist zu erwarten, dass auch der Marktanteil Nachhaltiger Geldanlagen in den kommenden Jahren weiterhin stetig wachsen wird.

Was sind die treibenden Kräfte hinter dem nachhaltigen Anlagemarkt?

Gründe für das stetige Wachstum Nachhaltiger Geldanlagen gibt es viele: Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die mehr Nachhaltigkeit auf dem Anlagemarkt begünstigen und für mehr Transparenz sorgen, sind die wichtigste treibende Kraft für mehr Nachhaltigkeit auf dem Anlagemarkt. Mehr Transparenz ist ausschlaggebend dafür, dass Investoren bemächtigt werden, nachhaltige Anlageprodukte zu erkennen, zu bewerten und zu vergleichen.
Zudem ist die immer stärker werdende Nachfrage von institutionellen und privaten Investoren ein Schlüsselfaktor für die positive Entwicklung. Dass die Nachfrage steigt, ist zum einen den sich verändernden regulatorischen Rahmenbedingungen geschuldet, zum anderen aber auch einem grünen, gesellschaftlichen Bewusstseinswandel, der auch vor der Geldanlage nicht halt macht. Auch wird immer deutlicher, dass bei nachhaltigen Geldanlagen keine Abstriche in puncto Rendite, Performance und Diversifikationsmöglichkeiten gemacht werden müssen.

Ein Blick auf die Marktentwicklung verdeutlicht zudem, dass es in Deutschland weiterhin die institutionellen Investoren sind, die den nachhaltigen Anlagemarkt dominieren. Nichtsdestotrotz wird immer deutlicher, dass auch die Privatinvestoren eine zunehmende Rolle spielen werden, denn hier deutet das diesjährige Wachstum vom 96% (Deutschland) auf eine neue Dynamik und rasant wachsendes Interesse.

Auch in Österreich spielen die institutionellen Investoren eine maßgebliche Rolle: Besonders die Vorsorgekassen, als größte Gruppe unter den institutionellen Investoren, nutzen Nachhaltigkeitskriterien bei der Vermögensverwaltung. Mit verantwortlich für eine breitere Nutzung und Akzeptanz von Nachhaltigen Geldanlagen ist nicht zuletzt der breite Markt für Nachhaltigkeitszertifizierungen und Labels, wie dem Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte und die ÖGUT-Zertifizierung.

Was sind die maßgeblichen Asset-Klassen?

Ähnlich wie auf dem konventionellen Markt sind Unternehmensanleihen, Aktien und Öffentliche Anleihen (Staatsanleihe, Supranationale Anleihen und lokale oder kommunale Anleihen) die wichtigsten Asset-Klassen nachhaltiger Fonds und Mandate.

Wie erklärt man den Unterschied PRI-Zahlen und Verantwortliches Investment?

Während bei den FNG-Zahlen das Volumen der Assets mit konkreten nachhaltigen Anlagestrategien abgefragt wird, werden bei PRI zunächst die gesamten Assets der Unterzeichner gezählt, eine Aufschlüsselung erfolgt nach einer anderen Systematik. Das Ziel der PRI-Berichterstattung ist es, Transparenz über angewendetes ESG-Management und Prozesssteuerung zu schaffen. Die Berichterstattung wird dazu von den Unterzeichnern auch als internes Steuerungsinst­rument eingesetzt. Es ist nicht das Ziel des PRI-Reportings, An­gaben zur Größe einzelner Marktsegmente oder Produktgruppen zu machen.

Wie hat sich das Verhalten der Asset-Manager und Owner in Bezug auf Klima verändert?

Der Klimawandel rückt zweifelslos in den Fokus der Anleger und Asset Manager, denn Klimarisiken und auch -Chancen haben einen unmittelbaren Effekt auf Performance und Ertrag eines Investments. Dass Asset Manager und Asset Owner sich zunehmend dem Thema Klimawandel zuwenden, zeigt sich durch immer komplexer werdende Klimastrategien der Finanzmarktakteure. Der Ausschluss von Kohle ist sowohl in Österreich als auch in Deutschland ein Top-Five Ausschlusskriterium. So gaben zudem viele Studienteilnehmer an, dass Divestment und Engagement zu Klima- und Umwelt, sowie die Messung des CO2-Fußabdrucks (u.a) gängige Strategien sind, die zunehmend angewandt werden.

Wie lässt sich Greenwashing vermeiden und wie unterscheiden Anleger nachhaltige von nicht-nachhaltigen Produkten?

Die gestiegene Beliebtheit von Nachhaltigen Geldanlagen, birgt auch die Gefahr, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ zum Marketinginstrument wird. Ein verkaufsförderndes Greenwashing von Finanzprodukten kann daher die Folge sein. Das FNG setzt sich aus diesem Grund für mehr Transparenz und Qualitätssicherung ein. Verschiedene Instrumente helfen dem Verbraucher passende nachhaltige Finanzprodukte zu finden. Für mehr Transparenz sorgen beispielsweise der europäische Transparenzkodex und die Nachhaltigkeitsprofile des FNG. Einen Mindestnachhaltigkeitsstandard bietet u.a. das FNG-Siegel.

Anhand solcher Zertifizierungen können Investoren eine wertvolle Orientierung bei der Produktsuche geben und helfen, Greenwashing-Produkte zu meiden. Die Europäische Kommission entwickelt derzeit eine Taxonomie nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten, um einen Rahmen für grüne Investitionen zu schaffen.