Vorsprung durch Weitsicht. In Österreich zeigt sich heute der Erfolg des Anfang der 90er Jahre eingeschlagenen Weges hin zu nachhaltigen Investments.

Ob das Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzprodukte als ältestes SRI-Fondssiegel Europas mit mehr als 130 zertifizierten Fonds oder die ÖGUT-Zertifizierung, beide sind mitverantwortlich für den wachsenden Marktanteil nachhaltiger Investments.

Ein Treiber dieser Entwicklung bleiben die Vorsorgekassen, die nach wie vor als größte Investorengruppierung eine Schlüsselrolle beim weiteren Wachstum einnehmen.


Nachhaltige Geldanlagen

 

Nachhaltige Geldanlagen in Österreich 2019
(in Milliarden Euro)

Nachhaltige Geldanlagen sind definiert als die Summe aller nachhaltigen Fonds und Mandate, sowie Kunden- und Eigenanlagen von Spezialbanken.

Gegenüber dem Vorjahr ist das Volumen Nachhaltiger Geldanlagen um 38 Prozent gestiegen.


Investmentfonds & Mandate

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% der nachhaltigen Fonds sind zertifiziert

In Österreich sind dies insgesamt 71 der ins gesamt 113 erfassten nachhaltigen Fonds. Damit tragen rund 63 Prozent der Fonds ein qualitatives Nachhaltigkeitssiegel.


Nachhaltige Investmentfonds und Mandate in Österreich
(in Milliarden Euro)

Das Gesamtvolumen nachhaltiger Fonds und Mandate hat sich seit 2017 verdoppelt. Zum 31.12.2019 belief es sich auf 29,33 Milliarden Euro.

Dies entspricht einem Anstieg von 39 Prozent zum Vorjahreswert. Mit 15,9 Prozent Anteil am Gesamtfondsmarkt haben sich nachhaltige Fonds und Mandate fest im österreichischen Finanzmarkt etabliert.

Nachhaltige Fonds und Mandate erreichen 2019 Marktanteil von 15,9 Prozent.


Wachstumsfaktoren bei nachhaltigen Fonds und Mandaten in Österreich 2019
(in Prozent)

Daten: FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen

In Österreich ist das Wachstum bei den nachhaltigen Mandaten mehrheitlich auf Zuflüsse zurückzuführen.

Für 74 Prozent der der Fonds liegen keine weiteren Angaben vor. Unter diesen Punkt fällt auch das Wachstum durch Performance.

Der Einfluss neuer Berichtsteilnehmer fällt sowohl bei den Fonds als auch bei den Mandaten nicht ins Gewicht.


Nachhaltige Investmentfonds und Mandate in Österreich
(in Milliarden Euro)

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Ausschlusskriterien sind bei nachhaltigen Fonds und Mandate nach wie vor von besonderer Bedeutung. Besonders stark gestiegen ist im Berichtsjahr mit einem Plus von 81 Prozent die Nutzung des normenbasierten Screenings, was für 91 Prozent aller nachhaltigen Fonds und Mandate gilt.

Vergleichsweise hohe Wachstumsraten verzeichneten auch die Stimmrechtsausübung (+47 Prozent auf 12 Milliarden Euro) sowie die nachhaltigen Themenfonds, die um 49 Prozent auf 1 Milliarde Euro zulegte.


Die Top Ten der Ausschlusskriterien in Österreich 2019
(in Milliarden Euro)

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich in der Top Ten nur wenige Änderungen ergeben.

Die Negativkriterien Kohle und Waffen und Rüstung tauschen ihre Plätze.

Glücksspiel rutscht zwei Plätze nach unten und befindet sich 2019 auf Platz 9.


Asset-Klassen nachhaltiger Fonds und Mandate in Österreich 2019
(in Prozent)

Daten: FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen

* Diesen Daten liegen Angaben für Assets in Höhe von 24,4 Milliarden Euro zugrunde (keine Angabe für 17%).

Aktien, Unternehmens- und öffentliche Anleihen sind die für Nachhaltigkeitsfonds gängigsten Anlageziele.

In der Asset-Allokation dominieren sie mit 96 Prozent. Auffällig ist jedoch, dass der Anteil der Aktien an der Gesamtallokation im Vorjahresvergleich von 21 Prozent auf 31 Prozent gewachsen ist.

Dass der Anteil der Aktien am Asset-Volumen gestiegen ist, ist vermutlich auf das positive Börsenjahr 2019 zurückzuführen.


Übersicht Anlegertypen nachhaltiger Fonds und Mandate in Österreich
(in Milliarden Euro)

Privatanleger in Österreich haben ihr Engagement im Bereich der Nachhaltigen Geldanlage im Jahr 2019 mit einem Plus von 77 Prozent deutlich gesteigert.

Damit machen Privatanleger rund 25 Prozent der Nachhaltigen Geldanlagen in Österreich aus. 75 Prozent der Gesamtsumme nachhaltiger Geldanlagen in Höhe von rund 30,1 Milliarden Euro entfielen auf institutionelle Investoren.

Plus 77 Prozent – Privatanleger entdecken Nachhaltige Geldanlagen


Typen institutioneller Investoren in Österreich 2019 und 2018
(in Prozent nach Volumen nachhaltiger Assets)

Vorsorgekassen sind mit einem Anteil vom 56 Prozent weiterhin mit Abstand die wichtigsten institutionellen Investoren in Österreich.

Der Grund für die Vorreiterrolle der Vorsorgekassen ist, dass sich die ÖGUT-Nachhaltigkeitszertifizierung über den Gesamtmarkt hinweg durchgesetzt hat, sodass alle Vorsorgekassen in Österreich einer Nachhaltigkeitszertifizierung unterliegen.

Einen weiteren wichtigen Akteur institutioneller Investoren stellen österreichische Versicherungen dar.


Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus

Neben nachhaltigen Fonds und Mandaten zählt das Einlagengeschäft von Spezialbanken, die nachhaltiges Wirtschaften im gesamten Einlage- und Kreditgeschäft verankert haben, zu den Nachhaltigen Geldanlagen.

In Österreich berichtete in diesem Jahr erneut das Bankhaus Schelhammer & Schattera, das auch die einzige ausgewiesene Spezialbank in Österreich ist. Die Bank verzeichnete Kundeneinlagen in Höhe von 788 Millionen Euro zum Stichtag 31. Dezember 2019.

Damit summiert sich die Gesamtsumme Nachhaltiger Geldanlagen auf 30,1 Milliarden Euro.


Verantwortliche Investments

 

Verantwortliche Investments und Nachhaltige Geldanlagen in Österreich
(in Milliarden Euro)

Sowohl Nachhaltige Geldanlagen als auch verantwortliche Investments sind seit 2014 kontinuierlich gewachsen.

Zum Stichtag 31. Dezember 2019 machten Nachhaltige Geldanlagen circa 28 Prozent der verantwortlichen Investments aus.


Kombination von Anlagestrategien bei verantwortlichen Investments in Österreich
(in Milliarden Euro)

Die Grafik verdeutlicht, wie die gängigsten Anlagestrategien bei verantwortlichen Investments kombiniert werden. Auffällig ist, dass die alleinige Anwendung von ESG-Integration über den Zeitverlauf abgenommen hat und die Investmentstrategien an Komplexität gewonnen haben, indem das investierte Volumen auch einem normbasierten Screening unterzogen oder Engagement-Prozesse eingeleitet werden.

Bei rund 91 Prozent des Volumens wird ESG-Integration, meist in Kombination mit normbasiertem Screening oder Engagement, angewandt.


Immobilienfonds & Nachhaltigkeit

  • 4 Teilnehmer haben Angaben zu verantwortlich verwalteten Immobilienfonds bereitgestellt.
  • 12 Immobilienfonds werden von den 4 Teilnehmern verwaltet.
  • 676 Millionen Euro umfasst das Volumen der 12 Fonds

Die Berücksichtigung einer ESG-Investmentstrategie kann bei Immobilienfonds auf zwei Ebenen geschehen. Zum einen beim Gebäudemanagement der Immobilie selbst, zum anderen beim Management der Fonds und der entsprechenden Auswahl der Immobilienobjekte, in die investiert werden soll.

Demnach kann auch die Nachhaltigkeitszertifizierungen auf Ebene der Immobilie erfolgen oder aber der Fonds eine Zertifizierung als nachhaltiges Finanzprodukt erhalten.


Klimawandel, Schlüsselfaktoren & Ausblick

 

Prognostiziertes Wachstum Nachhaltiger Geldanlagen in Österreichnd 2020
(Studienteilnehmer)

Auch in diesem Jahr rechnen die Marktberichtsteilnehmer aus Österreich wieder mit einem starken Wachstum des Marktes Nachhaltiger Geldanlagen.

Mehr als 76 Prozent der Teilnehmer rechnen mit einem Wachstum von über 15 Prozent. Rund 33 Prozent der Studienteilnehmer rechnen gar mit einem Wachstum von über 30 Prozent.


Schlüsselfaktoren

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Die Grafik zeigt die wichtigsten Schlüsselfaktoren für die Entwicklung des nachhaltigen Anlagemarktes.

Die österreichischen Asset Manager und Asset Owner sehen vor allem in der Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen den wesentlichen Treiber grüner und sozialverträglicher Investments.

Konkrete Änderungen ergeben sich aus der Umsetzung des EU-Aktionsplanes Finanzierung nachhaltigen Wachstums.

Auch das Regierungsprogramm der Bundesregierung sieht die Umsetzung einer Green Finance Agenda bis zum Ende der Legislatur 2024 vor.


Klimastrategien

Insgesamt 25 Teilnehmer haben Angaben zu ihren Klimastrategien gemacht.

Von den 25 Berichtsteilnehmern gaben insgesamt 18 an, ein Kohle-Divestment zu verfolgen.

Berechnungen zum Fußabdruck der eigenen Portfolien finden bei 13 der 25 Berichtsteilnehmern statt, wobei CO2-Fußabdruck-Messungen vorrangig bei nachhaltigen Fonds und Mandanten durchgeführt werden.