Die Hauptversammlungssaison 2020 erfreut die Aktionäre mit rund 37 Milliarden Euro Dividendenzahlungen alleine im DAX 30. Aber ist es wirklich ein Grund zur Freude? Dividendenzahlungen sind immer ein Kind der Vergangenheit, an der Börse wird jedoch die Zukunft gehandelt. Diese gilt es auf den Aktionärstreffen zu hinterfragen. Schließlich ist eine gute Unternehmensführung und nachhaltiges Wirtschaften der Schlüssel für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg und sollte daher aktiv von den Investoren eingefordert werden.

Im Fokus der Hauptversammlungen (HV) in 2020 steht die Frage, wie die Unternehmen die Tragfähigkeit ihres Geschäftsmodells im Kontext der veränderten konjunkturellen Rahmenbedingungen und der Auswirkungen durch exogene Schocks wie beispielsweise „Corona“ sicherstellen. Die Herausforderungen sind zahlreich: Eine fragilere Wirtschaftsaktivität und erhöhte geopolitische Risiken einerseits. Eine steigende Aktiennachfrage aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB andererseits, die die Bewertungen treiben. Großen Konglomeraten oder ineffizient gemanagten Unternehmen sitzen Aktivisten im Nacken und zwingen die Konzernlenker zu Ab- und Aufspaltungen, höheren Ausschüttungen oder Strategieschwenks.

Die Hauptversammlungen werden daher der Ort des kritischen Hinterfragens sein. Wir erwarten zunehmend aktivere institutionelle Aktionäre, die sich zu mehr Transparenz in Bezug auf ihre Anlagestrategien, ihre Mitwirkungspolitik und deren Umsetzung durch regulatorische Anforderungen verpflichten. Bei den Anlegern in Deutschland spielt dieses Engagement der Aktionäre –  neben der Rendite – ebenfalls eine immer größere Rolle, wie eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Deka ergab. 71 Prozent der befragten Wertpapierbesitzer finden es wichtig, dass Fondsgesellschaften bei Hauptversammlungen aktiv für das Thema Corporate Governance eintreten. Über die Hälfte der Befragten (56 Prozent) ist davon überzeugt, dass durch dieses Engagement der Aktienkurs des betroffenen Unternehmens langfristig steigt. Und für 41 Prozent der Anleger ist dies sogar ein Kaufargument, wenn sie sich für den Aktienfonds einer bestimmten Fondsgesellschaft entscheiden.

Für die Deka kommen neben den Themen Vorstandsvergütungssysteme, auch der Unabhängigkeit und der Kompetenz des Aufsichtsrats große Bedeutung zu. Das Thema Nachhaltigkeit steht bei uns – wie bereits in der letzten Saison – im Mittelpunkt. Dabei legen wir besonders großen Wert auf Umweltthemen und die Einhaltung von Menschenrechten. Generell wachsen Nachhaltigkeit und HV-Abstimmungen immer stärker zusammen und die Finanzbranche wird eine Flut an neuen Nachhaltigkeitsregulierungen sehen, damit wird auch der Druck auf börsengelistete Unternehmen steigen. Daher haben wir unsere Positionen zu diesen Themen in unserer HV-Abstimmungspolitik weiter geschärft.

Hinsichtlich der Zusammensetzung der Aufsichtsräte ist es aus unserer Sicht wichtig, dass die Mehrzahl der Mitglieder unabhängig ist und deren Kompetenzprofil dem Geschäftsmodell des Unternehmens entspricht. Beim Thema Ämterhäufung gilt es wieder genauer hin zu schauen. In Bezug auf Diversität sehen wir Nachholbedarf, vor allem bei MDAX und SDAX-Unternehmen. Spannend wird auch sein, inwieweit die Unternehmen den neuen Deutschen Corporate Governance Kodex vorab erfüllen werden und damit die Qualität der guten Unternehmensführung verbessern.

Wir bauen unser Corporate Governance-Engagement weiter aus. In diesem Kontext erweitern wir auch unser Team, entwickeln die bereits jetzt intensive HV-Berichterstattung weiter und erhöhen die Zahl von Hauptversammlungen, bei denen wir uns einbringen und abstimmen. Ziel ist die Wahrnehmung unserer Treuhänderplichten im Sinne der langfristigen Wertsteigerung des uns anvertrauten Vermögens.

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